CDU Stadtverband Schwetzingen

CDU-Stadtteilgespräch Schälzig: CDU Schwetzingen bespricht Situation der GRN-Klinik und Themen aus dem Stadtteil

Bei einer von der CDU organisierten Stadtteilbegehung im Schälzig starteten die Teilnehmenden am GRN-Krankenhaus. Hier berichtete Christian Mempel, ein im Bereich Gesundheit an der SRH tätige Stratege, über die aktuelle Lage der Kliniken im Umkreis sowie die möglichen Auswirkungen einer derzeit geplanten Krankenhausreform des Bundes auf die gesundheitliche Versorgung. 

Bildnachweis: Luisa RudnikBildnachweis: Luisa Rudnik

Bei einer von der CDU organisierten Stadtteilbegehung im Schälzig starteten die Teilnehmenden am GRN-Krankenhaus. Hier berichtete Christian Mempel, ein im Bereich Gesundheit an der SRH tätige Stratege, über die aktuelle Lage der Kliniken im Umkreis sowie die möglichen Auswirkungen einer derzeit geplanten Krankenhausreform des Bundes auf die gesundheitliche Versorgung. „Den Kliniken in Deutschland geht es im Moment nicht gut – 2023 haben 33 Standorte in Deutschland Insolvenz angemeldet, dieses Jahr könnten es 80 werden“, startete Mempel seine Ausführungen. Die Ursachen dafür sehe er in einem Mix aus Personalmangel in der Pflege und dem ärztlichen Dienst, hohen Energiekosten, steigenden Personalkosten, hohem Investitionsbedarf sowie dem Rückgang von Fallzahlen. So sei die Bettenauslastung im Bundesschnitt bei 69% - optimal wären 85%. Daher sei eine Krankenhausreform notwendig, in der eine Eingruppierung der Kliniken und Krankenhäuser in Versorgungslevel vorgenommen werden soll, welche je nach Level unterschiedliche Leistungsgruppen bedienen. „Über Parteigrenzen hinweg fordern die Länder jedoch gemeinsam grundlegende Änderungen am Gesetzesentwurf“, so Mempel weiter. Durch mangelnde Vorfinanzierung seien vor allem Kliniken im ländlichen Raum gefährdet. Viele inhaltliche Ausgestaltungen sind aktuell jedoch weiterhin unklar oder zu ungenau und lassen nur Spekulationen zu. Bereits in den letzten Jahren sei in der Region eine Umstrukturierung beobachtbar: In Mannheim wurde Ende 2020 St. Hedwig geschlossen, es findet ein Neubau des Diakonissen-Krankenhauses und zugleich eine Zusammenlegung mit dem Theresien-Krankenhaus Mannheim statt, die Uniklinika Mannheim und Heidelberg fusionieren voraussichtlich und die Heidelberger Krankenhäuser Salem und St. Vincentius sollen zusammengelegt werden. Mempel erläuterte weiter: „Dadurch werden Betten reduziert, jedoch geht man davon aus, dass die Bevölkerung im Rhein-Neckar-Kreis, Mannheim und Heidelberg in den nächsten Jahren ansteigt.“ Auch die haus- und fachärztliche Versorgung nehme ab, im Rhein-Neckar-Kreis seien 40 Prozent aller Hausätzte und 32 Prozent aller Fachärzte über 60 Jahre alt. Der Anteil der unter 40-Jährigen steige zwar an, könne aber nicht die Fälle ausgleichen, die in Rente gingen.

Was könnten diese Entwicklungen für Schwetzingen bedeuten? Alleine von der regionalen Verteilung her mache ein Klinikum in Schwetzingen Sinn, trotz der großen Menge an anderen Kliniken in der Region. Mempel betonte die Vorteile des Krankenhauses in Schwetzingen: hohe Spezialisierung (Endoprothetik, Geriatrie, Shuntzentrum), eine neue große Wahlleistungsstation, gute Eingriffszahlen (Mindestfallzahlen) sowie die ca. 690 Geburten pro Jahr. Besonders hohe Synergieeffekte sehe er durch MVZ, Ze:ro Praxen, Geriatrische Reha, Seniorenheim und dem ZFP. Unklar ist, ob eine Notfallaufnahme nach derzeitiger Eingruppierung in Schwetzingen weiter Bestand hätte.

Auf eine im Bund entschiedene Krankenhausreform hat die Kommune keinen Einfluss, jedoch auf das Umfeld. So wäre es wichtig bezahlbaren Wohnraum für das Personal zu schaffen. Außerdem Betreuungsmöglichkeiten - insbesondere für Alleinerziehende in Pflege und ärztlichem Dienst mit Schicht- und Wochenenddiensten - zu schaffen sowie Ganztagesplätze, auch in der Schule. 

Gespräche zur Vernetzung in der Region sollten gestärkt, koordiniert und begleitet werden. Neue Modelle wie MVZs und der Ausbau von Ärztehäusern unterstützten Synergieeffekte, wirkten Personalmangel und hohen Kosten entgegen. Dafür brauche es jedoch entsprechende Gebäude. Im Anschluss an die Ausführungen Mempels wurde ausführlich diskutiert. Volker Engelfried betonte, dass bei allen Veränderungen immer der Mensch im Vordergrund stehen müsse und nicht die reinen Zahlen. Luisa Rudnik, Vorsitzende der Frauen Union in Schwetzingen, interessierte sich vor allem für die Versorgung mit Kinderärzten, „denn bereits jetzt finde man als neu zugezogene Familie keinen Platz mehr bei einem in Schwetzingen ansässigem Kinderarzt.“ Neugründungen seien von der Kassenärztlichen Vereinigung weder in Mannheim, Heidelberg oder im Rhein-Neckar-Kreis ausgeschrieben, konnte Mempel berichten. Zudem gäbe es aktuell sieben Praxisabgaben oder Stellenausschreibungen für Kinderärzte, die nur schwer neu besetzt werden könnten. Jutta Schuster, Kreisrätin der CDU und Mitglied im Aufsichtsrat der GRN-Kliniken, hebt die Renovierung der ursprünglichen Dreibettzimmer hervor, die auf zwei Betten verkleinert wurden. Sie sehe die Problematik, dass Menschen wegen des Fachärztemangels bereits jetzt zunehmend die Notaufnahme und Ambulanz aufsuchen müssten, um behandelt werden zu können. Die Runde zog über die Sternallee zum Schälziger Bolzplatz und dem Kleinkinderspielplatz. Angesprochen wurde Stadträtin Rita Erny zur Parkplatzsituation direkt vor dem Spielplatz: „Hier parken Autos häufig direkt in der Kurve vor dem Spielplatz, was für Familien eine erhöhte Gefahrenlage beim Verlassen des Spielgeländes und Überqueren der Straße darstellt.“ Darüber habe sie bereits mit der Stadt gesprochen und eine Markierung auf der Fahrbahn gefordert, damit hier nicht mehr in der Kurve geparkt werden könne. Seither stehe zwar ein Schild am Spielplatz, welches auf den Spielplatz aufmerksam mache, an der Parkplatzsituation habe sich jedoch nichts geändert.

Zudem sprach die Gruppe über die hohe versiegelte Fläche des Gebietes und die sichtbaren Hitzeschäden an Bäumen. Vor allem frisch gesetzte Bäume kämen häufig nicht durch, da sie nicht ausreichend bewässert würden.

Diskussionen zum Gesundheitsstandort Schwetzingen vertieft die ansässige CDU bei Ihrer Podiumsdiskussion „Unsere Gesundheitsversorgung in Gefahr! Was ist zu tun?“ am Donnerstag, den 16. Mai um 19 Uhr in der Trattoria Sicilia. 

 

Text: Rudnik