Stellungnahme: Ganztagsausbau Zeyherschule
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister Steffan, Frau Bürgermeisterin Schlüter, sehr geehrte Damen und Herren der Stadtverwaltung, Kolleginnen und Kollegen am Ratstisch, werte Bürgerinnen, Bürger, Pressevertreter,
Zunächst: Der geplante Neubau umfasst künftig rund 1.600m² Nutzungsfläche, während das ursprüngliche Raumkonzept noch etwa 2.300m² vorsah. Gleichzeitig bleibt der Bestand mit 1.710m² erhalten, ergänzt durch die Sporthalle.
In der Summe entsteht damit ein Schulkomplex mit über 3.300m² schulischer Nutzfläche, der trotz geringerer Dimensionierung gegenüber der ursprünglichen Planung als funktional und ausreichend beschrieben wird.
Auch finanziell ist das ein deutlicher Unterschied: Statt ursprünglich rund
19,5 Millionen Euro liegen wir jetzt bei etwa halb so vielen 9,95 Millionen Euro Investitionsvolumen.
Im weiteren Schritt stellt sich die Frage:
Was braucht die Pädagogik – und was wird gebaut?
Das pädagogische Konzept beschreibt eine Ganztagsschule als
Lebensraum mit vielfältigen Lern-, Bewegungs- und Rückzugsangeboten. Daraus lassen sich klare Raumtypen ableiten:
Nach Durchsicht des Konzeptes zähle ich persönlich rund 6 bis maximal 8 neue Räume.
Dem nun vorliegende Raumkonzept mit einer großzügigen Mensa, zehn geschlossen 62 … 63m² großen Räumen und zwei offenen Räumen gleicher Größe, dazu die entsprechende Sanitäre Ausstattung gelingt es aus meiner Sicht, diese Anforderungen umzusetzen.
Ein zentrales Prinzip ist die Mehrfachnutzung von Räumen – ins besondere Differenzierungsräume, die bei Bedarf auch als Klassenräume dienen können.
Wir bauen also weniger Räume – aber diese werden mehr können.
Ein dritter Punkt, der uns in diesem Zusammenhang wichtig ist: Die kritische Einordnung pädagogischer Konzepte. Als jemand der über Jahre im Schulbetrieb tätig ist, habe ich viele pädagogische Konzepte kommen und gehen sehen.
Offenes Lernen, Wochenplanarbeit, Kompetenzorientierung, individualisierte Lernsettings – alles mit guten Ansätzen, aber nicht immer mit messbar besseren Ergebnissen.
Auch Studien zeigen ein differenziertes Bild:
Die vielzitierte Hattie-Studie etwa kommt zu dem Ergebnis, dass nicht einzelne Konzepte entscheidend sind, sondern vor allem die Qualität des Unterrichts und die Lehrkraft selbst – wer hätte das gedacht!!! Faktoren wie klare Struktur, Feedback und Lehrer-Schüler-Beziehung haben deutlich höhere Effekte als organisatorische Modelle. Punkte die ich ohne Einschränkung unterstütze.
Dass Hattie jedoch beim Unterrichtserfolg keinen Unterschied macht, ob man eine kleine oder eine große Klasse unterrichtet, weißt jeder engagierte Lehrer – zu recht von sich – insbesondere der vorab angesprochenen Lehrer-Schüler-Beziehung steht eine große Schülerzahl im Wege.
Dies soll natürlich nicht heißen, dass pädagogische Konzepte unwichtig sind – aber bitte lassen Sie uns pädagogische Konzepte mit gesundem Menschenverstand begegnen und nicht überbewerten.
Nicht das Raumkonzept macht den guten Unterricht – sondern die Menschen, die darin arbeiten.
Und genau deshalb ist uns ein Punkt besonders wichtig:
Wir wollen für die Kinder, die einen Großteil ihres Tages in der Schule verbringen, attraktive, funktionale und hochwertige Räume schaffen.
Der geplante Neubau bietet hierfür großes Potenzial: für Bewegung, für Kreativität, für Rückzug – und eben auch für guten Unterricht.
Wenn wir schon Ganztag machen, dann bitte so, dass sich Kinder dort auch wirklich wohlfühlen – und sich nicht nur länger dort aufhalten.
Ein kritischer Punkt bleibt jedoch:
Wir halten es für eher unglücklich, dass bei der Überarbeitung des Raumkonzepts nicht der ursprüngliche Architekt Christopher Ansorge eingebunden wurde, sondern mit einem neuen Büro praktisch wieder bei NULL begonnen wurde.
Ansorge hatte von 2019-2024 intensiv zur Erarbeitung der Förderanträge mit der Schulleitung und dem Lenkungsausschuss zusammengearbeitet.
Gerade bei einem Projekt dieser Größenordnung hätte man auf vorhandene Planungslogik, den vorangegangenen Austausch mit der Schulleitung und daraus gewachsene Kenntnisse aufbauen können.
Stattdessen wurde ein Bruch erzeugt, der aus heutiger Sicht aufgrund der Neuausrichtung des Bauamtes gewiss der Vergangenheit angehört.
Das schmälert nicht die Qualität der jetzigen Planung – aber es wirft Fragen nach Effizienz und Kontinuität auf.
Wir sehen dieses Bauvorhaben insgesamt als zukunftsweisend für den Ausbau des gebundenen Ganztags in Schwetzingen.
Deshalb ist uns auch wichtig, heute schon weiterzudenken:
Wir regen an, eine bauliche Aufstockungsmöglichkeit vorzusehen – für den Fall, dass die Nachfrage nach Ganztagsplätzen stärker steigt als aktuell erwartet.
Denn eines ist sicher: Schulpolitik hat die unangenehme Eigenschaft, schneller überholt zu sein, als ein Lehrplan.
Abschließend noch ein Wort zur Finanzierung:
Die in Aussicht stehende Förderung in Höhe von rund 5 Millionen Euro ist ein zentraler Baustein für die Realisierung dieses Projekts.
Wir begrüßen diese ausdrücklich – verbinden damit aber auch die klare Erwartung, dass alles darangesetzt wird, diese Mittel nicht zu gefährden.
Zusammenfassend:
Schlussendlich erlauben Sie mir als Lehrer folgendes Schlusstatement:
Die größte Flexibilität wird am Ende vermutlich nicht von den Räumen verlangt werden, sondern – wie so oft – von den Lehrkräften.